Dem Tod ins Auge blicken
„Terror“ ein Theaterstück von Ferdinand von Schirach in den Kammerspielen der Josefstadt – 19.11.2018

Am Abend des 19. November waren die teilnehmenden Schülerinnen des Freigegenstandes „Kunst und Kultur“, in Begleitung von Frau Professor Baar, Teil des Publikums in den Kammerspielen der Josefstadt im 1. Bezirk, wobei sie dadurch in die Rolle der Geschworenen in einer inszenierten Gerichtsverhandlung traten. Das Theaterstück von Ferdinand von Schirach, Autor und Strafverteidiger, versetzte alle im Saal in ein moralisches Dilemma. Der Fall wurde in der Josefstadt mit weiblichen Figuren auf die Bühne gebracht, um dem Testosteron zu entfliehen und gleichzeitig die Zuschauerinnen und Zuschauer in ihrem Entschluss zu beeinflussen.

Die Gerichtsverhandlung
Ein Passagierflugzeug mit 164 Personen an Bord wurde von Terroristen entführt und droht in ein mit 70.000 Menschen befülltes Stadion zu fliegen. Die Menschen im Stadion wurden nicht evakuiert und waren sich der Gefahr, welcher sie ausgesetzt waren, nicht bewusst. Nun stellt sich hier die Frage, ob es möglich gewesen wäre, die Menschenmasse noch rechtzeitig außer Gefahr zu bringen.

Eine Kampfpilotin entschließt sich ohne Erlaubnis das Flugzeug abzuschießen und damit das Leben von 70.000 Leuten zu verschonen. Doch nun soll aufgrund ihrer Handlung entschieden werden, ob eine Haftstrafe auf sie zukommt.

Das Gerichtsdrama nimmt kein Ende. Eine Frau, deren Ehemann durch den Abschuss der Maschine verunglückte, gibt im Zeugenstand eine Aussage über ihre Lage ab. Mit Abstand das Schlimmste jedoch ist, dass sie gezwungen ist, der Mörderin ihres Ehepartners gegenüberzustehen.

Als das Plädoyer der Staatsanwältin folgt, muss die Kampfpilotin unwillentlich zugeben, dass, wenn ihr Sohn oder Ehemann im Jet gewesen wäre, sie nicht im Stande gewesen wäre, den Schuss abzugeben. Ihre Aussage lässt also einen Widerspruch zu irrerem Handeln entstehen.

Doch im Grunde kann das Publikum in der Rolle der Schöffen ihre Entscheidung nachvollziehen. Würden Sie nicht auch 164 Menschenleben für das Wohl von 70.000 opfern? Die meisten ließen diesen Gedanken aber sofort in den Sand fallen, wenn ein Familienmitglied Teil der 164 Insassen gewesen wäre.

Die menschliche Moral ist komplex und oft auch paradox. Der Fall lehrt uns, dass menschliches Leben nicht gegeneinander aufgewogen werden kann, denn jedem gebührt es, sein eigenes Leben in den Händen zu tragen.